Beschaffung Agrar-Rohstoffe (commodities)

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Nachwachsende Rohstoffe - alter Hut auf neuen Köpfen

Definition

Die Produktion nachwachsender Rohstoffe gehörte neben der Nahrungsmittelherstellung seit alters her zu den Hauptaufgaben der Landwirtschaft. Die Verdrängung landökonomischer Erzeugnisse, die nicht der Ernährung und Tierfütterung dienen, begann erst mit der industriellen Revolution in der Mitte des vorletzten Jahrhunderts. Nachwachsende Rohstoffe sind also ein alter Hut. Neue Bedeutung kriegt er allerdings durch die zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten, die sich ihm durch kreative Wissenschaftler und moderne Technologien in der heutigen Zeit erschliessen.

"Nachwachsende Rohstoffe sind land- und forstwirtschaftlich erzeugte Produkte, die einer Verwendung im Nichtnahrungsbereich zugeführt werden", lautet die Definition. Der Verwendungszweck der alten neuen Rohstoffe aus der Natur kann die industrielle Weiterverarbeitung, aber auch die Erzeugung von Wärme, Strom und anderen Energieformen sein.

Auf rund 2 Millionen Hektar wuchsen weltweit nachwachsende Rohstoffe im Jahr 2007, das sind knapp 50 Prozent der Gesamtfläche der Schweiz.

Nicht nur der Anbauumfang wird von Jahr zu Jahr grösser, auch das Spektrum der Anwendungsbereiche nachwachsender Rohstoffe weitet sich immer mehr aus. Die Gründe dafür sind sowohl ökonomischer als auch ökologischer Art. Das Stichwort Nachhaltigkeit gibt sie gut wieder. Da nachwachsende Rohstoffe ihre fossilen Konkurrenten mittlerweile in vielen Bereichen ersetzen können, tragen sie dazu bei, deren begrenzte Vorräte für nachfolgende Generationen zu schonen.

Umweltvorteile

Die Umwelt profitiert zusätzlich. Aus Pflanzen gewonnen, setzen Produkte aus pflanzlichen Rohstoffen nach Gebrauch bei ihrer Verbrennung oder bei der Kompostierung immer nur die Menge an CO2 frei, die sie während des Wachstums der Atmosphäre entnommen haben. Im Gegensatz zu fossilen Rohstoffen sind sie dadurch weitgehend CO2-neutral; die Stoff- und Energiekreisläufe sind de facto geschlossen. Ihre Verwendung kann somit helfen, den sich verstärkenden Treibhauseffekt abzumildern und globalen Klimaveränderung entgegenzuwirken. Schon durch ihren Anbau tragen nachwachsende Rohstoffe nicht nur optisch zur Landschaftsgestaltung bei. Mit ihrem Artenreichtum sorgen die Industriepflanzen dafür, die Vielfalt unserer Kulturlandschaft zu erweitern und die teilweise engen landwirtschaftlichen Fruchtfolgen aufzulockern. Ein häufiger Wechsel der angebauten Kulturen erhält nicht nur die Fruchtbarkeit des Bodens, sondern wirkt auch dem Schädlingsbefall entgegen.

Chancen für Landwirtschaft und Industrie

Als Alternative zur Nahrungsmittelerzeugung bietet die Produktion nachwachsender Rohstoffe zuallererst der Landwirtschaft direkte Vorteile. Um der Überproduktion an Nahrungsmitteln entgegenzuwirken, verpflichtet der Staat die Landwirte, jährlich einen bestimmten Anteil ihrer Flächen stillzulegen, d.h. aus der Nutzung zu nehmen. Zum Ausgleich dafür erhalten sie Ausgleichszahlungen. Der Anbau von Industriepflanzen ermöglicht nicht nur die Nutzung dieser Stilllegungsflächen, ohne auf die Zahlungen verzichten zu müssen, sondern stellt generell eine sinnvolle Alternative zur Nahrungsmittelerzeugung dar. Der Landwirt bekommt eine neue Aufgabe: er wird zum Erzeuger massgeschneiderter Inhaltsstoffe für die Industrie.
Denn nachwachsende Rohstoffe bedeuten Hightech. Um die von den Verarbeitern gewünschten Eigenschaften anzubieten, müssen herkömmliche Nahrungsmittelpflanzen züchterisch verändert, Methoden des Anbaus perfektioniert werden.

Zusammengefasst lässt sich feststellen:

Die Vorteile nachwachsender Rohstoffe können mittel- bis langfristig zur Lösung von wirtschafts-, umwelt- und gesellschaftsrelevanten Problemen beitragen. Die energetische und stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe erlaubt den Einstieg in Kreislaufwirtschaftssysteme und damit die Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaftsform im Sinne des "Sustainable Development" und der Agenda 21. Der Ausbau der energetischen Nutzung von Biomasse in Deutschland kommt dem im Weissbuch der EU-Kommission "Energie für die Zukunft Erneuerbare Energieträger" genannten Ziel, das Energieaufkommen aus Biomasse in der EU bis zum Jahr 2010 zu verdreifachen, entgegen.
Mit der Produktion nachwachsender Rohstoffe erbringt die Land- die Forstwirtschaft daher eine Dienstleistung für die gesamte Gesellschaft. Der Anbau und die Verwertung nachwachsender Rohstoffe führen zu folgenden positiven Wirkungen: Nachwachsende Rohstoffe sind weitgehend C02-neutral. Bei ihrer Nutzung entsteht kein zusätzlicher Treibhauseffekt. Sie tragen zur Schonung endlicher fossiler Ressourcen, wie Erdöl, Erdgas und Kohle bei.

Sie eröffnen Möglichkeiten zur Verwirklichung einer Kreislaufwirtschaft. Die Nutzung von Produkten auf Basis nachwachsender Rohstoffe in umweltsensiblen Bereichen bietet vielfältige Vorteile. Nachwachsende Rohstoffe bieten die Chance für innovative Entwicklungen, aus ihnen können Produkte hervorgehen, die weltweit vermarktet werden können. Durch nachwachsende Rohstoffe profitiert der ländliche Raum. Dadurch werden in den ländlichen Gebieten Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen. Der Land- und Forstwirtschaft werden durch nachwachsende Rohstoffe Produktions- und Einkommensalternativen geboten. Da Industrie und Chemie genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Rohstoffe benötigen, ist jedoch nicht nur die Landwirtschaft gefordert. Es bedarf intelligenter Forschung, um der Industrie optimal zuarbeiten zu können. So ist es mittels Pflanzenzüchtung, Biotechnologie und Gentechnik möglich, die gewünschten Rohstoffqualitäten zu erzielen und die Erträge zu optimieren.

Auf diese Weise kann die Landwirtschaft heute hochwertige Ausgangsstoffe zur Verfügung stellen, die der Industrie aufwendige Umwandlungsschritte, wie bei fossilen Rohstoffen nötig, ersparen. Pflanzen bieten Inhaltsstoffe, deren Wert lange Zeit nicht erkannt wurde. An die jahrzehntelang praktizierte Verarbeitung fossiler Rohstoffe gewöhnt, musste sich die Industrie den Nutzen nachwachsender Rohstoffe erst wieder erschliessen. Herkömmliche Verarbeitungsmethoden müssen umgestellt, neue entwickelt werden. Eine lohnende Aufgabe in Anbetracht der ökologischen Vorteile, aber auch der interessanten Märkte für Produkte auf der Basis nachwachsender Rohstoffe.
Ein weites Feld, in dem noch viel Forschung und Entwicklung nötig ist. Sie zu fördern ist seit 1993 das Ziel der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe. Erste Erfolge auf diesem Weg dokumentieren die Projekte, aber auch die Statistiken zu Anbau und Verarbeitung von Pflanzen für die Industrie.